AI-Security-Zielbild — Agenten begrenzen, überwachen, nachweisen¶
Git (Source of Truth) dokumentiert und versioniert, was wir bauen. Es sieht aber nicht, was ein laufender Agent gerade tut — ob ein Prompt manipuliert wurde, ein Tool-Aufruf in einen fremden Mandanten läuft oder ein Container ungewöhnlich agiert. Genau dort entsteht bei autonomen Agenten der Schaden. Deshalb: Git für Build, Review, Doku und Audit — plus eine Runtime-, Policy-, Monitoring- und Nachweis-Schicht.
Das Kernprinzip¶
Das LLM sieht nie Credentials und bedient nie frei APIs. Der Agent formuliert eine Absicht — ein Gateway prüft und führt nur erlaubte Aktionen aus (Least Privilege, fail-closed bei Schreib-/Admin-/Produktionszugriffen).
Die fünf Ebenen¶
| Ebene | Leitfrage | Rolle von Git | Zusätzlich nötig — und auf der Plattform |
|---|---|---|---|
| Governance & Risiko | Welche Agenten, Zweck, Risiko, Owner? | Inventare, Doku, Reviews | Agenten-Registry, Risikoklassen, Rezertifizierung → Registry-Seiten vorhanden, als versionierte YAML ausbauen |
| Architektur & Guardrails | Was darf ein Agent, mit welchen Tools, in welchem Mandanten? | versioniert Policies/Tool-Specs | ✅ OPA-PDP, Tool-Trust-Tiers, Tenant-Isolation, Secret-Boundaries (OpenBao) |
| Build / SDLC | Sind Code, Prompts, Routen geprüft & freigegeben? | Kernstärke | MR-Gates, Secret-Scan, Container-Scan → Gitea live (1und1-git), CI-Gates ausbauen |
| Laufzeit / Betrieb | Was tut der Agent jetzt? Wird er missbraucht? | sieht es nur indirekt | ✅ Wazuh + Falco-Worker-Endpoints + Forwarder-Kette, CrowdSec, Langfuse, Prometheus/Grafana |
| Assurance / Nachweis | Können wir beweisen, dass Kontrollen wirkten? | Audit-/Review-Spuren | ✅ Append-only Evidence (ops-evidence, Paperclip, ClickHouse) → OPA-Decision-Logging verifizieren |
Schutzschichten zur Laufzeit¶
| Schutzschicht | Verhindert | Plattform-Umsetzung |
|---|---|---|
| Prompt-Injection-/Jailbreak-Guardrails | manipulierte Eingaben führen zu Aktionen | claw-guardrails-adapter, LLM-Guard, NeMo Guardrails |
| PII-/Secret-Redaction | Datenlecks über Antworten, Logs, Traces | Presidio Analyzer/Anonymizer, redigierte Langfuse-Traces |
| Policy-Engine | überbreite Tools, Cross-Tenant, unerlaubte Aktionen | OPA-PDP (Rego), Tool-Allowlists, Trust-Tiers |
| Runtime Detection | Container-Ausbruch, Persistenz, Exfiltration | Falco (Worker), Wazuh-Stack, CrowdSec |
| SIEM & Monitoring | Vorfälle verstecken sich in Einzellogs | Wazuh + Event-Forwarder (alle Nodes), Grafana |
| Purple-Team-Runner | Schwächen bleiben unentdeckt | OpenMythos, SecCLAW, promptfoo |
| Human-in-the-Loop | autonome Schadaktionen | approval-queue, AWX Apply-Gates, ClawPatch |
| Append-only Evidence | fehlender Nachweis gegenüber Audit/Revision | ops-evidence (Z), Paperclip + Evidence-Bridge, ClickHouse |
Der kontrollierte Ausführungspfad (so läuft es hier)¶
Intent → Klassifizierung (Tenant, Risiko, Datenklasse) → OPA-Entscheid → Inventory nur aus NetBox → Secrets nur als Referenz aus OpenBao → Plan-only → Check-Mode (Diffs redigiert) → Approval-Gate (Low auto / Medium Owner / High Wartungsfenster+Rollback) → Ausführung nur über versionierte AWX-Templates → Healthcheck → ggf. Rollback → Evidence mit Request-ID, Approval-ID, Diff, Ergebnis.
Schnittstellen-Regeln (verbindlich)¶
- Pro Agent und Zielsystem dedizierte Service-Accounts (z. B.
n8n-jira-agent), keine Mitarbeiter-Logins. - OAuth/kurzlebige Tokens; Secrets nur in OpenBao/n8n-Credentials — nie in Prompt, Code oder Trace.
- Keine Universal-Tools (kein
jira_api_call) — enge Tools wieget_ticket_summary,add_internal_comment. Kein Delete/Admin/Bulk-Export ohne Sonderfreigabe. - Container non-root, kein Host-Netz, kein Docker-Socket; neue Agenten erst Staging, dann begrenzt produktiv.
- Jeder Tool-Aufruf mit Request-ID, Agent-ID, Tenant, Zielsystem, Policy-Decision, Evidence-Link.
Freigabe-Mindestprüfung für produktive Agenten¶
Zweck+Owner · Risikoklasse (Low/Medium/High) · Datenklassen · enge Tool-Rechte · Service-Account · Secret-Refs mit Rotation · gehärtete Sandbox · aktive Guardrails · geloggte OPA-Entscheidungen · Monitoring+Ticket-Anbindung · HITL für Schreibaktionen · Red-Team-/Rollback-Test · Agentenkarte+Runbook+Löschkonzept · MR-+Security-Review, ggf. Documenso-Signatur. Ohne das: maximal Sandbox oder Read-only.
Agenten-Lebenszyklus¶
Antrag (Ticket mit Zweck/Owner/Risiko) → Aufbau nur über Git/MR → Sandbox → Pilot → Produktion → laufendes Monitoring → Rezertifizierung mind. quartalsweise (sofort bei neuen Tools/Datenklassen/Routen) → Ablaufdatum je Agent → Deaktivierung bei fehlendem Owner/Finding → Löschung (Accounts sperren, Tokens rotieren, Konfig entfernen, Daten nach Retention, Evidence bleibt) → Nachweis als Ticket + Evidence.
Regulatorik — ein Kontrollsystem, gemappt statt viermal dokumentiert¶
| Nachweis auf der Plattform | Zuordnung |
|---|---|
| Agenten-Inventar, Risikoklasse, Owner | ISO 42001, NIST AI RMF Govern/Map, EU AI Act techn. Doku |
| Presidio-PII-Filter, Secret-Redaction | DSGVO, EU AI Act Daten-Governance |
| Langfuse-Tracing (redigiert) | Logging, Post-Market-Monitoring, Root Cause |
| Retention-/Löschkonzept | DSGVO Art. 5 |
| HITL / Kill-Switch (approval-queue, Gates) | EU AI Act menschliche Aufsicht, NIS2 Incident Handling |
| Wazuh/Falco-Detection + Zammad-Incidents | NIS2 Vorfallmanagement (24h/72h-Meldekette) |
| OpenMythos/SecCLAW-Reports | OWASP Agentic Top 10, MITRE ATLAS, Management-Nachweis |
Stand & offene Punkte (2026-07)
EU-AI-Act-High-Risk-Pflichten greifen ab 02.08.2026 (kein High-Risk-Use-Case
geplant — Orientierung daran trotzdem sinnvoll). Offen: (1) Git-Backbone-Entscheid —
Gitea läuft (1und1-git.ki-guru.com), GitLab auf den 4 Nodes nicht deployed;
(2) Agenten-/Tool-Registry als versionierte YAML mit CI-Prüfung; (3) OPA-Decision-
Logging nachweisbar machen; (4) Rezertifizierungs-Prozess organisatorisch verankern.
Planungs-SaaS (z. B. Linear) bleibt optionale Arbeitsfläche — nie Ablage für
Evidence, Freigaben, Secrets oder Agenten-Policies.